Vereinsgeschichte Drucken E-Mail
Geschrieben von: Günter Boesler   
Sonntag, 22. Februar 2009 um 12:57 Uhr

Der in Neumorschen lebende Arzt Dr. Gerhard Sardemann und der Ingenieur Gustav Giebel, beide begeisterte Turner, sind es, die in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts einen überörtlichen Turnverein ins Leben rufen wollten. Nach ihren Vorstellungen sollte gegenüber dem Bahnhof, auf dem Matsko‘schen Land, zwischen der Nürnberger Landstraße (heute B83) und der Fulda eine Sportanlage mit Sportplatz und Turnhalle für alle umliegenden Dörfer entstehen. Doch die Bürger Morschens sind für diesen Plan nicht zu gewinnen.

Einige Jahre später erwacht in Neumorschen wieder der Turnergeist und es kommt im Jahr 1907 zur Gründung des Turnvereins Neumorschen. Zu dieser Zeit ist der Mühlenbesitzer Matsko Bürgermeister in Neumorschen. Der Ort hat ca. 600 Einwohner. Die neue Schule steht kurz vor der Fertigstellung und die Lehrer Heinrich Schröder und Wilhelm Limmeroth sollen die neuen Lehrerwohnungen beziehen.

Es ist der Abend des 25. Mai 1907, als sich in der Gastwirtschaft Horn in Neumorschen 15 junge Männer treffen, um den „Turnverein 1907 Neumorschen“ zu gründen. Mit dabei sind: Heinrich Bode, Wilhelm Eckardt, Ernst Hast, Wilhelm Horn, Heinrich Jäger, Wilhelm Jütte I., Heinrich Kerste, Georg Meyfarth, Georg Saul, Johannes Scheufler, Georg Schlegel, Gerhard Schlipstein, Wilhelm Schmelz, Wilhelm Schmelz (Rotenburg) und Heinrich Schröder. Zum 1. Vorsitzenden wählen sie Gerhard Schlipstein.

Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Gerhard Schlipstein (1. Vorsitzender), Georg Schlegel (Kassierer), Heinrich Bode (Schriftführer), Wilhelm Horn (Turnwart). Viele Neumörscher Bürgerinnen und Bürger unterstützen den jungen Verein, indem sie mit Geldspenden für eine bescheidene Geräteausstattung sorgen. Laut den privaten Aufzeichnungen des Zeitzeugen Johannes Scheufler entwickelt sich der Verein gut. Es dauert nicht lange bis der Turnverein 1907 Neumorschen im Fulda-Eder-Gau als einer der leistungsstärksten Turnvereine angesehen wird. Bei Gauwettkämpfen erringen die Turner viele Siege.

Doch die Zeit ist kurz, in der sich der Verein allein auf den Sport konzentrieren kann. Der erste Weltkrieg (1914 - 1918) wirft seine Schatten voraus. Die ersten Rekruten werden eingezogen. Das blühende Vereinsleben wird, wie an vielen Orten, so auch in Neumorschen, durch den ersten Weltkrieg unterbrochen. Nach einer Hitzewelle im Juli, findet am 08. Oktober 1911 eine Rekruten-Abschiedsfeier statt. Die Vereinsarbeit geht mehr schlecht als recht, weil allzu viele aktive Mitglieder “zu des Königs Fahne einberufen“ sind. Nach dem Krieg, aus dem einige der Turner nicht zurückkommen, bedarf es großer Anstrengungen im Verein wieder eine leistungsstarke Turnerriege aufzubauen. Doch es gelingt. Gegenüber anderen, großen Vereinen haben die Sportler aus Neumorschen den Nachteil, dass der Turnbetrieb im Winter ruhen muss. Es steht ihnen kein geeigneter Übungsraum zur Verfügung, was sich nachteilig auf ihre Leistung auswirkt. Trotz guter Turner im Verein, ist man bei großen Wettkämpfen anderen Vereinen wegen des fehlenden Trainings unterlegen. Der Wunsch nach einer eigenen Turnhalle wächst.

1920 beschließen die Sportler eine eigene Turnhalle zu errichten, obwohl zunächst weder das nötige Geld noch ein Bauplatz vorhanden sind. Die Halle entsteht 1921 in Fachwerkbauweise auf einem Grundstück in der Nähe der Mühle Matsko am Wichtebach. Sie ist die erste Turnhalle im Kreis Melsungen. Das Grundstück hat der Verein für einen geringen Kaufpreis von der Gemeinde erworben.

Beim Bau der Halle wirken viele Vereinsmitglieder nach Kräften mit. Der Entwurf und der Kostenvoranschlag werden von Johannes Scheufler erstellt. Die Mauerarbeiten führt die Firma Konrad Liebeck aus, die Zimmererarbeiten übernimmt die Firma Konrad Stange (Konnefeld). Die Schreinerarbeiten führt der Turner Karl Schlegel aus, das Dach wird von Ernst Wilhelm und einigen Turnern gedeckt.

Die erforderlichen Geldmittel zum Bau der Halle werden durch den Verkauf von Anteilscheinen an die Bevölkerung Neumorschens aufgebracht. Die Halle kostet zur damaligen Zeit ca. 2000,00 RM. Die Anteilscheine werden nach einiger Zeit wieder eingelöst, wobei die meisten Bürger, trotz großer Not und Armut auf eine Rückzahlung verzichten. So ist die Turnhalle schon nach wenigen Jahren schuldenfrei und Eigentum des Vereins.

Am 25. Mai 1922, dem 15. Geburtstag des Vereins, wird die Halle festlich eingeweiht. Dr. Sardemann leitet den Festkommers.

An der Einweihungsfeier nimmt auch die Musterriege des Turnvereins 1898 Kassel teil, sie umrahmt den Festakt mit Turnvorführungen. 1922 gründet Johannes Scheufler eine Knabenabteilung, es ist die erste Knabenriege im Fulda-Eder-Gau! Noch im gleichen Jahr entsteht eine Frauenabteilung unter der Leitung von Frau Kaspar.

Mit einem großen Sportfest wird 1932, unter der Mitwirkung zahlreicher auswärtiger Vereine, das 25-jährige Bestehen begangen.

1933 unterzeichnet Reichspräsident Hindenburg eine von Hitler vorgelegte „Notverordnung zum Schutze von Volk und Staat“. Mit dieser Notverordnung werden die wichtigsten Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft gesetzt. Unter anderem wird auch das Vereins- und Versammlungsrecht einschränkt. Ab jetzt gibt es in Deutschland kein Vereinsleben mehr. Der Sportverein ruht, wie alle anderen Vereine auch, für viele Jahre.

In dieser Zeit dient die Turnhalle der Firma Matsko & Wittmer als Getreidelager.

Nach dem zweiten Weltkrieg ist sie Wohnung für einige Flüchtlingsfamilien. Erst ab 1951 kann die Halle wieder von den Turnern genutzt werden.

Auch der zweite Weltkrieg fordert Opfer unter den Turnern. Viele Männer gelten als vermisst oder sind gefallen. So auch Karl Schlegel, einer der eifrigsten Turner, der unter dem Namen „Vater Jahn“ bekannt ist.

Nach dem Krieg bekommt Johannes Scheufler, nach hartem Ringen mit der Militärregierung, 1946 die Erlaubnis zur Neugründung eines (!) Vereins in Neumorschen. Da die Neumörscher Bürger singen und turnen wollen, entscheiden sie sich für einen Kompromiss. Sie rufen einen Gesangs- und Sportverein ins Leben. Später werden die Bestimmungen gelockert und beide Vereine teilen sich wieder.

Die Neugründung des Turnvereins findet am Sonntag, dem 27. April 1947, im Gasthaus Horn statt. In geheimer Wahl wird der Vorstand gewählt, der sich wie folgt zusammensetzt: 1. Vorsitzender Ernst Brassel, 2. Vorsitzender Martin Stöbel, Schriftführer Dr. Sardemann.

Die Übungsstunden der Sportler finden im Saal des Gasthaus Horn statt. Frauen und Mädchen turnen dienstags von 20.30 Uhr bis 22.00 Uhr, Männer und Knaben freitags zur gleichen Zeit. Die Saalmiete beträgt 15.00 DM im Monat. Für die Vermietung der Turnhalle nimmt der Verein im Monat 20.00 DM von den Flüchtlingsfamilien ein.

Bereits am 03.04.1948 wird das erste „Vergnügen“ gefeiert. Die Turner führen Frei- und Barrenübungen vor, die Turnerinnen Volkstanz und Keulenschwingen. Das Theaterstück „Das Frühstück auf der Wiese“ sorgt für gute Stimmung.

Ab 1949 ist Fritz Otto 1. Vorsitzenden des Sportvereins. Im gleichen Jahr wird eine Tischtennisabteilung gegründet. Der Verein wächst, die Mitgliederzahlen steigen. Von den eingenommenen Beiträgen werden Sportgeräte angeschafft, so z.B. im Jahr 1950 eine Tischtennisplatte, zehn Paar Keulen, ein Aushangkasten, ein Paar Boxhandschuhe und ein Geräteschrank.

Eine Frauengymnastikriege unter der Leitung von Erna Liebeck wird 1950 gegründet. In diesem Jahr wird auch die Turnhalle wieder frei, muss aber noch hergerichtet werden. Dies geschieht in Eigenarbeit. 1951 ist die Halle fertig und der Sportbetrieb läuft wieder.

Das 50-jährige Jubiläum feiert der Turn- und Sportverein am Samstag, dem 25.05.1957 im Gasthaus Horn. Fritz Otto, 1. Vorsitzende des Vereins, begrüßt im vollbesetzten Saal viele Mitbürger und Ehrengäste.

Als noch lebende Gründer des Vereins ehrt er Johannes Scheufler, Ernst Hast, Willi Schmelz, Georg Saul, Heinrich Kerste, Georg Meyfarth, Walter Jütte, Wilhelm Eckhardt und Willi Schmelz (Rotenburg), indem er ihnen die goldene Ehrennadel des Vereins überreicht. In Würdigung ihrer Verdienste um das Frauenturnen verleiht er Elisabeth Geßner die silberne Ehrennadel. Er dankt auch dem Bürgermeister Richard Horchler für die Zusage zum Bau eines Sportplatzes.

Ausschnitte aus der sportlichen Arbeit des Vereins zeigt eine Kinderriege mit Bodenturnen, eine Mädchenriege mit Volkstänzen und Tamburin-Gymnastik. Eine Jugendriege führt Übungen am Stufenbarren vor.

Ehrliche Bewunderung der Gäste erfährt die Riege der bejahrten Altersturner für eine Barrenübung, in der sie die „alte Schule des Geräteturnens“ demonstrieren. Die Krönung aller Turnvorführungen des abends sind die Barren- und Bodenübungen einer Auswahlriege des Turngaus Fulda-Eder.

In einem Zeitungsbericht vom 24.04.1958 ist zu lesen:

„In unmittelbarer Nähe der Turnhalle, die bisher alleiniger Tummelplatz der Sportbegeisterten war, hat die Gemeinde ein Wiesengrundstück zur Verfügung gestellt. Darauf soll durch umfangreiche Planierungsarbeiten zunächst ein Spielfeld geschaffen werden. An den Arbeiten wollen sich die Mitglieder des Turn- und Sportvereins weitestgehend beteiligen. Im gleichen Bauabschnitt soll auch ein Geländer um das Spielfeld gezogen und eine 100 Meter-Aschenbahn für die Leichtathleten angelegt werden. Man denkt ferner an ein Umkleidehaus, durch dass das künftige Sportzentrum, Turnhalle, Sportplatz und Badestrand vervollständigt werden soll“.

Ortssporttag 1959 / 700-jähriges Bestehen der Gemeinde Neumorschen

Zahlreiche Zuschauer haben sich am Sonntagnachmittag, dem 17. Juni 1959 auf dem Platz vor der Turnhalle eingefunden, um den turnerischen Vorführungen beim Ortssporttag des Vereins beizuwohnen. Spartenleiter Peter Geßner und seine Frau Elisabeth gelingt es dank ihres unermüdlichen Einsatzes, allen Anwesenden einen Einblick in die Turnarbeit zu vermitteln. Die kleinsten Turnerinnen und Turner erfreuen die Zuschauer mit Spielen verschiedener Art, die Jugend zeigt ihr Können an Kasten, Pferd und Barren. Für den Verein ist dieser Ortssporttag sozusagen die Generalprobe für die Mitwirkung der Sportler bei der Ausgestaltung der 700Jahrfeier der Gemeinde Neumorschen.

Anlässlich des 700-jährigen Dorfjubiläums beschließt die Gemeinde Neumorschen ein eigenes Wappen zu beantragen, das von Hans Joachim von Brockhusen entworfen wird. Am 23. März 1959 bekommt der TSV Neumorschen vom Land Hessen die offizielle Genehmigung, das Wappen als Vereinswappen zu übernehmen.

Im gleichen Jahr übergibt die Gemeinde Neumorschen den neu errichteten Sportplatz feierlich an den Sportverein.

Der Platz ist auf den Wiesen an der katholischen Kirche, zwischen der Fulda und der Konnefelder Straße, entstanden. Nach und nach wird er durch eine 100-Meter-Aschenbahn und eine Sprunggrube erweitert. Jetzt ist es möglich den leichtathletischen Dreikampf während des alljährlichen Ortssporttages auf der Sportanlage durchzuführen. Auch die Bundesjugendspiele aller umliegenden Schulen finden nun in Neumorschen statt. Leider spült das alljährliche Hochwasser den Aschenbelag der Laufbahn immer wieder weg, so dass nach einigen Jahren die Anlage unbenutzbar wird.

Aus dem Vereinsleben gibt es nicht immer nur Positives zu berichten. Die Schülerriege des TSV muss 1959 von Peter Geßner wegen ihres „flegelhaften Benehmens“ und „Unpünktlichkeit“ aufgelöst werden. In einer Versammlung beschließen die Mitglieder des TSV, dass die Schüler über Elternhaus und Schule vermehrt für den Sport interessiert werden sollen. Dabei soll auf strenge Disziplin geachtet werden.

Für den im Jahr 1960 verstorbenen Fritz Otto wird 1961 Peter Geßner zum 1. Vorsitzenden gewählt. Unter seiner Regie wird am 07.08.1964 eine Fußballsparte gegründet, hierdurch erfährt der Verein einen gewaltigen Aufschwung. Die Mitgliederzahl steigt in kürzester Zeit von 117 auf 165.

In einem Zeitungsbericht vom 09.07.1964 ist die Überschrift zu lesen: „Gute Leistungen beim Ortssporttag“ „Sommeranturnen des TSV 07 Neumorschen – Mit 72 Jahren einen Handstand“:

Zweifellos eine gelungene Veranstaltung war das Sommeranturnen des TSV 07 Neumorschen. Selbst Petrus hatte ein Einsehen, nachdem nun schon fast jedes Jahr das Turnen wegen Regens in der Turnhalle hatte veranstaltet werden müssen, konnte der Verein in diesem Jahr seinen Ortssporttag auf dem Sportplatz abhalten. Das günstige Wetter hatte viele Zuschauer aus Neumorschen und Umgebung angelockt und beflügelte auch die Turner zu guten Leistungen. Es war sehenswert, wie Turnwartin Frau Geßner selbst die Allerkleinsten durch Bodenturnen und Wettspiele in der Leibeserziehung trainiert. Eifrig führten die Turner ihre Übungen an den Geräten vor. Gute Leistungen zeigten die Jungen am Barren. Viel Beifall erntete Turnwart Peter Geßner, der mit seinen 72 Jahren mühelos einen olympiareifen Handstand auf dem Barren vorführte. Eine Augenweide für die Zuschauer waren die rhythmischen Gymnastikvorträge der Mädchen.

Ab der Spielserie 1965/66 nimmt die 1. Senioren-Fußballmannschaft des TSV in der Kreisklasse C ihren Spielbetrieb auf.

Schnell zeigt sich, dass der Sportplatz für den Fußballsport zu kurz ist, außerdem landen die Fußbälle immer wieder in der nahen Fulda. Verein und Gemeinde suchen daher nach Möglichkeiten zur Vergrößerung oder Verlagerung des Platzes.

Nach dem 1. Plan soll der Platz entlang der Fulda verlängert und verbreitert werden. Dazu pachtet die Gemeinde die „Hofmeistersche Wiese“. Auf Initiative des Vereinsvorstandes erklärte sich auch die Katholische Seelsorgestelle bereit, einen Teil ihres Gartens zur Verbreiterung des Sportplatzes abzugeben, wenn die Gemeinde eine neue Gartenmauer errichten würde. Die Gemeindevertretung lehnt den Plan ab, weil ihr die Kosten zur Errichtung der Gartenmauer zu hoch erscheinen.

Ein neuer Plan wird entworfen. Der Platz soll um 90° Grad gedreht werden, so dass er von der Konnefelder Straße bis zur Fulda reicht. Die Besitzer der Gärten sind einverstanden. Doch dann heißt es: „Die Trasse der neuen Umgehungsstraße soll über das Sportplatzgelände führen.“

Jetzt muss ein völlig neues Gelände gesucht werden. Die Gemeinde schlägt die „Fuchsfarm“ auf dem Bornberg vor. Bei einer Ortsbesichtigung sehen die Verantwortlichen jedoch gewaltige Kosten durch enorme Erdbewegungen auf sich zukommen. Letztlich entschließt man sich, den Sportplatz auf die gemeindeeigenen Ländereien „Auf der Gemeinde“ an der Binsförther Straße zu verlegen (1967).

Das gemeindeeigene Gelände ist in viele Parzellen aufgeteilt, die an Mörscher Bürger verpachtet sind. Der neue 1. Vorsitzende Rudolf Appel und der Kassierer Wolfgang Schmelz befragen daraufhin 104 Pächter der jeweiligen „Gemeindeörter“, ob sie ihre Parzellen für den Bau eines Sportplatzes zur Verfügung stellen würden oder zumindest zu einem Tausch bereit sind.

Einen festlichen Verlauf nimmt das 60-jährige Vereinsjubiläum des TSV Neumorschen im Jahr 1967. Im Saal der Gastwirtschaft Horn begrüßt der 1. Vorsitzende Rudolf Appel zahlreiche Mitbürger, Ehrengäste und Sportler befreundeter Vereine. Höhepunkt der Veranstaltung: Peter Geßner, Ehrenvorsitzender des TSV, bekommt von dem Vorsitzenden des Turngaues Fulda-Eder Helmut Boucsein die Ehrennadel des Deutschen Turnerbundes verliehen.

Am Sonntagnachmittag bietet der Festzug ein farbenprächtiges Bild. Fahnenträger, der Spielmannszug aus Malsfeld, alle aktiven Sportler und alle örtlichen Vereine marschieren gemeinsam durch das Dorf.

Der Bau der neuen Schulturnhalle in Altmorschen hat sich günstig auf die Entwicklung des Vereins ausgewirkt, sagt der 1. Vorsitzende Rudolf Appel anlässlich der Jahreshauptversammlung 1969. Die Schulturnhalle steht dem Verein für all seine Sparten zur Verfügung.

Ein neuer Sportplatz wird angelegt. Im Jahr 1970 hat die Firma Stange den Platz eingeebnet, Landwirtschaftsberater Mey stellt eine geeignete Grasmischung zusammen. DIe örtlichen Landwirte helfen bei der Einsaat.

1971 wird Edmund Eckhardt zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt, doch der neue Sportplatz bleibt Thema Nr. 1 im Verein. Während der Spielzeit 1971/72 benutzt der neugegründete FV Binsförth den Platz mit und die einheimischen Fußballer fürchten um die frische Grasnarbe. Klagen kommen auch von den Anliegern, da immer wieder Bälle in die umliegenden Ländereien fliegen. Abhilfe schafft ein hoher Fangzaun, den die Fußballer in Eigenleistung errichten, gleichzeitig wird eine Umzäunung um den Sportplatz in Eigenleistung gebaut.

Schon vor der Erstellung des neuen Sportplatzes werden Anträge auf Fördergelder für den Bau eines Umkleidehauses gestellt. Als Zwischenlösung dient den Fußballer ein, von dem Sportkamerad Georg Schmidt umgebauter LKW-Anhänger als Umkleidemöglichkeit. Im Laufe der Zeit äußern die Verantwortlichen der Fußballsparte den Wunsch nach einer Flutlichtanlage. Die Spieler wollen den Platz auch im Winter zum Training nutzen. Der Vorstand des TSV entspricht dem Wunsch und stellt Mittel für den Bau zur Verfügung. Die Flutlichtanlage wird größtenteils in Eigenleistung von den Fußballern errichtet. Hervorzuheben ist auch hier der Sportkamerad Georg Schmidt, ohne die von ihm geleistete Arbeit hätte das Vorhaben nicht verwirklicht werden können.

Zurück zur Turnhalle. Auf Drängen der Kinder- und Jugendturnwarte beschließt 1973 der Vorstand die alte Turnhalle zu renovieren, um bessere Trainingsmöglichkeiten zu schaffen. Die Halle wird neu gekalkt, der Fußboden erhält einen Spanplatten- und PVC-Belag.

Genauso wie der Sportplatz muss auch die Turnhalle der geplanten Ortsumgehung weichen. Das Grundstück und die durch die Renovierung aufgewertete Halle werden für 30.000,-DM an das Straßenbauamt verkauft. Weitere 3000,-DM erhält der Verein für den Abriss, den die Fußballer am 08.10.1977 in eigener Regie durchführen.

Die Verantwortlichen des TSV haben schon lange erkannt, dass ein Sportverein mit der Zeit gehen muss. Die Sparten Turnen und Fußball sind zwar die tragenden Säulen des Vereins, doch bei den Menschen von heute sind Tennis, Reiten und Radfahren sehr gefragt. Das für die Halle erzielte Geld bietet dem TSV die Möglichkeit, in neue Sportarten zu investieren.

Die Tennissparte

Auf der Mitgliederversammlung am 28.12.1977 wird die Gründung einer Tennissparte und gleichzeitig der Bau einer vereinseigenen Tennisanlage beschlossen. Ein großer Teil des Erlöses vom Turnhallenverkauf (25.000,- DM) wird für den Bau der Anlage bereitgestellt. Für die Gestaltung eines Grillplatzes am Halberg (jetzige Schutzhütte) werden 500,- DM gespendet, der Rest des Geldes fließt in die Vereinskasse.

Als mögliche Standorte für die zu bauende Tennisanlage sind die „Mühlenwiese“ am Halberg und die noch freien Gemeindeteile hinter dem neuen Sportplatz im Gespräch. Der Verein entschließt sich die Plätze in Verlängerung des Sportplatz zu bauen, so kann das geplante Umkleidehaus von den Fußballern und den Tennisspielern gemeinsam genutzt werden.

Das vom TSV bereitgestellte Geld reicht für die Finanzierung der Tennisplätze bei weitem nicht aus. Ein großer Teil der Kosten kann nur über ein Darlehen gedeckt werden. Mehrere Vereinsmitglieder erklären sich spontan bereit für dieses Darlehen zu bürgen. Die rasante Entwicklung der Tennissparte lässt die Zurückzahlung der Schulden zu keinem größeren Problem werden. 1978 wird mit dem Bau der beiden ersten Tennisplätze (Hartplätze) begonnen. 1980 wird der dritte Tennisplatz erstellt.

Nachdem die erforderlichen Zuschüsse bewilligt sind, beginnt die Gemeinde im November 1978 mit dem Bau des Umkleidehauses. Den Innenausbau übernehmen die Vereinsmitglieder weitgehend selbst. Aber auch die Firmen Knauf, Ernst Knierim, Klaus Knierim und Walter Riemenschneider haben unentgeltlich beim Ausbau des Sporthauses mitgeholfen.

Am 24.02.1979 wird unter der Führung von Wolfgang Schmelz die Sparte „Reiten“ ins Leben gerufen. Innerhalb kurzer Zeit werden eine Jugend- und eine Erwachsenen-Reitergruppe aufgebaut. Auch der lang gehegte Wunsch eines eigenen Reit- und Dressurplatzes geht schnell in Erfüllung. Neben der Tennisanlage steht dem Sportverein ein geeignetes Gelände zur Verfügung. Das Gelände wird planiert, die Reitergruppe erstellt in Eigenleistung die erforderliche Umzäunung. Auch die Beschaffung und Aufbau der nötigen Hindernisse wird realisiert.

Unter dem Motto „Sport für unsere Jugend“ versucht der rührige Jugendleiter Wolfgang Schmelz 1979 die Jugendlichen der Gemeinde sportlich zu aktivieren. Rund 30 Mitglieder des Vereins stellen sich zur aktiven Mitarbeit und Betreuung der einzelnen Gruppen zur Verfügung. Durch die Zusammenarbeit mit dem TSV Altmorschen, dem SV Heina und dem Reit- und Fahrverein Spangenberg werden die Sportarten Leichtathletik, Gymnastik, Turnen, Fußball, Tennis, Tischtennis und Reiten angeboten. Über 100 Jugendliche werden in elf Übungsgruppen betreut.

Dank dieser Aktion, aber auch durch die attraktiven sportlichen Angebote des TSV Neumorschen, steigt die Mitgliederzahl von ca. 200 auf über 300 an.

Im Frühjahr 1980 übernimmt Wolfgang Schmelz den Vorsitz des Vereins. Unter seiner Leitung erhält jede Sparte weitgehende Selbständigkeit im sportlichen Bereich, während die Geschäftsführung dem engeren Vorstand vorbehalten bleibt. Am 08. Juni 1980 wird im Rahmen eines Ortssporttages die Sportanlage d.h. Sporthaus, Reitanlage und die Tennisplätze offiziell eingeweiht. Bürgermeister Joachim Kohlhaas hebt bei dem Festakt die große Eigenleistung der Vereinsmitglieder beim Ausbau der Sportanlage hervor und übergibt den Schlüssel symbolisch an den 1. Vorsitzenden Wolfgang Schmelz.

Im selben Jahr nimmt erstmalig eine Herren-Tennismannschaft an den Medenspielen teil. Ihr gelingt das Kunststück, als Neueinsteiger ohne Punktverlust sofort in die nächst höhere Spielklasse (Kreisliga A) aufzusteigen. (Bild rechts)

Im großen Stil feiert der TSV Neumorschen vom 04. bis 13. Juni 1982 sein 75-jähriges Vereinsjubiläum. Der Verein nutzt die Gelegenheit, der Öffentlichkeit sein umfangreiches Wirken darzustellen. Internationalen Charakter erhält die Veranstaltung durch 48 Fußball-und Tennisspieler(innen) aus dem holländischen Biddinghuizen die dem TSV anlässlich des Jubiläums ihre Reverenz erweisen.

Zum Festkommers am Freitag, den 04. Juni, sind im Festzelt auf dem Marktplatz viele Ehrengäste erschienen. Samstagabend spielt die Band „The Traps“ zum Tanz auf. Sonntagnachmittag bietet der Festzug ein farbenprächtiges Bild. An das Festwochenende schließt sich eine Sportwoche an.

Den in der Bevölkerung aufkommenden Radfahrboom nehmen die Verantwortlichen des TSV zum Anlass, 1984 eine Radfahrsparte im TSV zu gründen. Die Ange-bote der Sparte finden bei den Fahrradbegeisterten großen Anklang.

Bereits im Jahre 1985 müssen die Beläge von zwei Tennisplätzen erneuert werden, im gleichen Bauabschnitt wird die geplante Flutlichtanlage auf der Tennisanlage errichtet. Der Verein muss für beide Maßnahmen insgesamt ca. 50.000,- DM aufwenden.

Ende 1989 wird die Satzung des TSV dahin gehend geändert, dass der Verein nicht mehr von einem 1. und 2. Vorsitzenden, sondern von zwei gleichberechtigten 1. Vorsitzenden geführt wird. Die Verantwortung soll auf mehrere Schultern verteilt werden. Auf der Jahreshauptversammlung im Jahr 1990 werden von den Mitgliedern erstmals zwei 1. Vorsitzende, Rudolf Bezela und Wolfgang Walter, gewählt. Im Laufe der Jahre stellt sich heraus, dass die Allwetter-Tennisplätze (Asphalt) nicht besonders gelenkschonend für die Tennisspieler sind. Deshalb wird auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 01. Juni 1994 der Beschluss gefasst, alle drei Tennisplätze mit einer Kunststoffbeschichtung versehen zu lassen.

Die Kosten hierfür betragen ca. 125.000,- DM. Es gibt keinerlei Zuschüsse. Schon früh erkennt die langjährige Leiterin der Sparte Frauenturnen Waltraut Schmelz den neuen sportlichen Trend, das „schnelle Gehen“ (Walking). Auf ihre Initiative wird 1995 die Sparte Walking im TSV, als eine der ersten im Schwalm-Eder-Kreis, gegründet. Die Sparte wächst schnell. Immer mehr Sportler/innen (in der Mehrzahl Frauen) wollen diesen Ausdauersport betreiben. Mehrmals in der Woche, unabhängig von Wind und Wetter, sieht man die Spartenleiterin mit ihrer Gruppe durch das Fuldatal walken.

Ab dem Jahr 1996 heißen die beiden 1. Vorsitzenden Wolfgang Walter und Günter Boesler. Unter ihrer Regie wird vom 11. bis 13. Juli 1997 im Rahmen eines Dorffestes das 90-jährige Jubiläum des Turn-und Sportverein 1907 e.Von. begangen. Der Kommers findet am Freitag mit zahlreichen Ehrungen im Schützenhaus statt. Am Samstag feiert das ganze Dorf. Eigentlich soll es nur ein Geburtstagsfest und keine große Jubiläumsfeier werden. Doch aus dem Festchen wird eine große Demonstration für sportliche Ertüchtigung, da die Gemeinde Morschen ihre offizielle Sportler-Ehrung mit der Feierstunde des TSV zusammengelegt hat.

Auf Anordnung der Unteren Naturschutzbehörde des Schwalm-Eder-Kreises müssen die vor vielen Jahren als Sicht- bzw. Windschutz rund um das Sportgelände gepflanzten Fichten entfernt werden. Begründung: Die Baumart ist untypisch für das Landschaftsschutzgebiet Fuldaauen. Die Behörde übernimmt die anfallenden Kosten. In mehreren Arbeitseinsätzen (ab 1998) werden die nötigen Fällarbeiten von Mitgliedern des Vereins durchgeführt. Der Erlös fließt in die Vereinskasse. Auf der Jahreshauptversammlung am 28.01.2000 werden Günter Boesler und Reinhard Jütte zu den neuen 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt. In den Sparten Frauen- und Kinderturnen gibt es gravie-rende Änderungen zu vermelden. Nach über 20-jähriger Tätigkeit als Sparten- und Übungsleiterin im Frauenturnen tritt Waltraud Schmelz zurück. Sie ist jetzt „nur noch“ Spartenleiterin Walking. Ihre Nachfolgerin wird Valja Hasler-Braun, die jetzt die Gruppe Damen-Wellness-Gymnastik betreut. Auch Brigitte Ludwig steht als Übungsleiterin nicht mehr zur Verfügung. Ihre Gruppe, Bodyforming & Fitness-Games, übernimmt Sigrid Hein als Übungsleiterin. Die beiden Kinderturngruppen werden zusammengelegt und von Heike Ritthaler betreut.

Die Investitionen in das Sporthaus und die Sportanlagen ziehen erhebliche Folgekosten nach sich. Der Vorstand ist bemüht das Geschaffene zu erhalten und gleichzeitig in die Zukunft zu investieren. An der Tennisanlage werden die Flutlichtstrahler erneuert, die Treppe zum Sporthaus ersetzt, der durch Sturmschäden beschädigte Zaun repariert, eine neue Einfahrt von der Straße zur Tennisanlage gebaut, die durch mehrmaliges Hochwasser verschmutzten Plätze professionell gereinigt, alle drei Plätze mit einer neuen Spritzbeschichtung versehen (allein hierfür betragen die Kosten ca. 21.000,-Euro).

Am Sporthaus werden durch vermehrte Einbrüche die Fenster vergittert und Sicherheits-Außentüren eingebaut, das Haus erhält einen neuen Anstrich (innen/außen), neue Heizkörper werden angeschafft, eine Überdachung über den Materialcontainer wird errichtet, eine Markise als Sonnenschutz angebracht. Außerdem werden verschiedene Maschinen z.B. Motorsense, Rasenmäher, Hochdruckreiniger usw. zur Pflege der Anlage angeschafft.

Die Mitgliederzahl des TSV Neumorschen ist seit Jahren rückläufig. Zurzeit ist noch keine Trendwende in Sicht. Besonders deutlich ist der Rückgang in der Tennissparte. Dank der positiven Entwicklung der Sparten Walking, Damen-Wellness-Gymnastik und Bodyforming & Fitness-Games wird der Rückgang der Gesamtmitgliederzahl in Grenzen gehalten. Zur Zeit hat der Verein ca. 280 Mitglieder.

Nichts ist so beständig wie der Wechsel und so verändern sich auch im TSV Neumorschen fortwährend die sportlichen Schwerpunkte. 1907 beginnt der Verein als reiner Turnverein. Mit der Anzahl der Sparten steigt auch die Mitgliederzahl. So hat der Verein stets den Interessen seiner Mitglieder Rechnung getragen. Sich auf Neues einzulassen bedeutet nicht, das Alte nicht zu ehren. In diesem Sinne schaut der TSV Neumorschen dankbar auf das Geleistete zurück und freut sich, mit dem Blick nach vorn, auf neue sportliche Anregungen und viele neue Mitglieder.

Günter Boesler

 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 22. Januar 2010 um 00:51 Uhr